3. Wirkung auf den Menschen

Um welche Art von Strahlung handelt es sich?

Der Mobilfunk nutzt die sog. „elektromagnetische Strahlung“. Der Verbraucher kennt sie als Rundfunk- und Fernsehwellen. Bei höherer Frequenz (= Zahl der Schwingungen pro Sekunde) umgeben sie uns als Wärme oder sichtbares Licht. Wird die Frequenz weiter erhöht, gelangt man über den UV-Bereich und die  Röntgenstrahlung schließlich zur radioaktiven Gammastrahlung. Röntgen- und Gammastrahlung fasst man unter dem Begriff „ionisierende Strahlung“ zusammen. Alle anderen elektromagnetischen Strahlen werden demgegenüber als nicht-ionisierend bezeichnet.

Daneben verwenden wir häufig den Begriff „Funkstrahlung“. Damit meinen wir alle Wellen, die für die verschiedenen Funkanwendungen benutzt werden, also für Rundfunk, Fernsehen, Handys, WLAN (Datenübertragung über kurze Stracken), Bluetooth (z.B. für Funkmäuse, Funktastaturen), DECT (Schnurlostelefone), für Taxi- und Polizeifunk, in der Industrie usw. Strahlung kann ferner Gegenstände erhitzen, auch die nicht-ionisierende. Das ist vom Mikrowellenherd her bekannt.

Bei der Festlegung der Grenzwerte für diese nicht-ionisierende Strahlung ging man von der Vorstellung aus, dass Schäden bei Lebewesen nur dann auftreten können, wenn das Gewebes durch die Strahlung erwärmt wird (ICNIRP, 1998). Dass dies schlichtweg falsch ist, belegen die folgenden Abschnitte. Zwar ist die heute übliche Strahlung in ihrer Intensität fast immer so schwach, dass menschliches Gewebe um deutlich weniger als 1 C° erhitzt wird. Trotzdem treten gravierende Schäden auf.  Bei 5G aber kann es zu deutlich stärkeren Erwärmungen kommen, je nachdem, wie die Grenzwerte dafür festgelegt werden.

Stand der Wissenschaft

Zum Glück reagiert nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung auf die Funkstrahlung, wie sie in vielen Anwendungen eingesetzt wird. Es ist bisher nicht bekannt, aus welchen Gründen es bei der Empfindlichkeit dafür (Stichwort Elektrosensibilität) so große Unterschiede gibt. Vermutlich spielen dabei die Schwermetallbelastung und andere Gifte, die im Körper vorhanden sind, eine Rolle.

Die ersten Beschwerden, die auftreten, wenn sich eine Person für einen längeren Zeitraum in einem Strahlungsfeld aufhält, sind unspezifisch. Sie reichen von Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herz-Rhythmus-Störungen und Tinnitus bis hin zu Gedächtnisstörungen. In der Mehrzahl der Fälle werden sie als psychische Probleme abgetan.

Sehr gut dokumentiert sind Schäden an tierischen und menschlichen Spermien. Sowohl ihre Anzahl als auch ihre Beweglichkeit nimmt unter Bestrahlung signifikant ab (Houston et al., 2016). Aber auch Frauen sollten wegen möglicher Schädigung ihres eigenen Erbguts das Handy nicht in der Hosentasche tragen.

Ein weiteres häufig diskutiertes Phänomen ist, dass die Blut-Hirn-Schranke durch Funkstrahlung beeinträchtigt  wird, was gravierende Folgen hat (Persson et al., 1997). Denn die Aufgabe dieser Schranke besteht darin, dafür zu  sorgen, dass ausschließlich die Stoffe im Blut ins Gehirn gelangen, die dort benötigt werden, und dass gleichzeitig schädliche Substanzen ferngehalten werden. Wichtig zu wissen ist, dass die Blut-Hirn-Schranke auch auf andere Einflüsse wie etwa übermäßige Anstrengungen sensibel reagiert. Fakt ist, dass diese Schranke sich bei Bestrahlung zunächst ganz öffnet. Nach einer bestimmten Zeit schließt sie sich wieder, um bald darauf wieder etwas weniger weit aufzugehen. Der zeitliche Verlauf von Öffnung und Schließung lässt sich somit als eine Schwingung beschreiben, die allmählich abflacht, bis sie völlig zum Erliegen kommt. Bei der industrienahen Forschung fand  diese Schwingungsbewegung  häufig keine Berücksichtigung, d. h. es wurden nur die geschlossenen Zustände betrachtet. Daher konnte  lange Zeit behauptet werden, dass die Auswirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Blut-Hirn-Schranke wissenschaftlich umstritten sei. Inzwischen gibt es aber keinen Zweifel mehr an den dargestellten Zusammenhängen (Pall, 2015).

Aufgrund dieser Ergebnisse ist weiter zu befürchten, dass während einer Schwangerschaft schädliche Stoffe im Blut der Mutter durch die Einwirkung  von Mobilfunkstrahlung in den Blutkreislauf des Embryos gelangen. Denn die Plazenta, die als Barriere zwischen beiden Blutkreisläufen dient, funktioniert in ähnlicher Weise wie die Blut-Hirn-Schranke. Experimente dazu sind bisher nicht bekannt geworden.

Besonders leicht nachzuweisen ist die sog. „Geldrollenbildung“ der roten Blutkörperchen unter dem Einfluss von Mobilfunkstrahlung (Peterson, 1998 u. 1999). Die roten Blutkörperchen tragen normalerweise eine negative Ladung auf ihrer Oberfläche, sodass sie sich gegenseitig abstoßen. Unter dem Einfluss von Mobilfunkstrahlung werden die Ladungen in der Weise verschoben, dass keine Abstoßung mehr stattfindet. Die Folge: Die Roten Blutkörperchen lagern sich aneinander an und sehen in diesem verklumpten Zustand wie Geldrollen aus. Dadurch wird ihre wirksame Oberfläche verkleinert und somit ihre biologische Wirksamkeit drastisch verringert: Die roten Blutkörperchen können weniger Sauerstoff an ihrer Oberfläche binden. Auf diese Weise verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung der Zellen, die Mitochondrien können weniger Energie herstellen und der betroffene Mensch fühlt sich infolgedessen müde und schlapp. Das oben beschriebene  Phänomen lässt sich im übrigen ohne weitere Hilfsmittel schon nach wenigen Minuten Handytelefonat nachweisen, wenn man einen Blutstropfen im Dunkelfeldmikroskop untersucht. In diesem Kontext  ist zu erwähnen, dass andere Einflüsse ebenfalls zu einer Geldrollenbildung führen können, wenn auch kaum in dieser Heftigkeit.

Insbesondere hervorzuheben sind die Schäden, die in der Erbsubstanz (DNA) von Zellen in Weichteil-Geweben durch den Einfluss von Mobilfunkstrahlung hervorgerufen werden. So wurden u. a. im REFLEX-Projekt die Schäden an menschlichen Gewebezellen dokumentiert (Diem et al., 2005; Schwarz et al., 2008). Diese Forschungsergebnisse wurden von industrienahen Kreisen angezweifelt. Es wurden daher Gegenstudien in Auftrag gegeben, die beweisen sollten, dass der o. g. Effekt nicht auftritt. Bei genauerem Hinsehen stellte sich jedoch heraus, dass die Experimente, bei denen keine Veränderungen in der Zell-DNA festgestellt wurden, an Muskelzellen durchgeführt wurden. Allerdings war bereits vor der Durchführung dieser Experimente bekannt, dass die DNA von Muskelzellen unempfindlich gegenüber Funkstrahlung ist. Inzwischen wurde in weiterführenden Studien  nachgewiesen, dass die Erbsubstanz anderer Zelltypen sehr wohl geschädigt wird (siehe z. B. Obajuluwa et al., 2017). Zu bedauern ist, dass nach wie vor in Diskussionen immer wieder behauptet wird, dass die Frage der Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung für den menschlichen Organismus wissenschaftlich umstritten sei.

Die Veränderung der Erbsubstanz durch Mobilfunkstrahlung hat bei Tieren Missbildungen zur Folge, die gut dokumentiert sind, wie im ersten Kapitel dargestellt wurde. Es ist daher anzunehmen, dass beim Menschen ebenfalls Missbildungen hervorgerufen werden.

Eine weitere Folge der Belastung durch Mobilfunkstrahlung  ist die Entstehung von Krebs. Hierzu gibt es epidemiologische Studien (d. h. Studien, die die Anzahl der Krebsfälle in der Bevölkerung in Abhängigkeit von der Strahlenbelastung erfassen) und Experimente mit Tieren (siehe z. B. Hardell et al., 2013), die diesen Zusammenhang offenlegen. Die wohl wichtigste Untersuchung dieser Art wurde im Rahmen des US-amerikanischen „National Toxicology Program 2018“ an 7.000 Mäusen und Ratten durchgeführt (National Toxicology Program, 2018). Diese Studie kam eindeutig zu dem Ergebnis, dass Funkstrahlung Krebs auslösen kann. Kurz darauf wurde sie durch eine weitere Studie mit 2.000 Ratten bestätigt(Falcioni et al., 2018). Somit ist die krebserzeugende Wirkung von Funkstrahlung  hinreichend bewiesen.

Davon zu unterscheiden ist die bereits erwähnte krebsfördernde Wirkung von Mobilfunkstrahlung, d. h. die Beschleunigung des Wachstums bereits vorhandener Tumoren und deren Ausbreitung. Sie wurde u. a. in der Arbeit von A. Lerchl beschrieben (Lerchl et al., 2015 u. 2018). Diese Beobachtung könnte darauf zurückgeführt werden, dass Funkstrahlung das Immunsystem nachweislich schädigt.

An dieser Stelle wurden nur einige der Folgen besprochen, die Funkstrahlung bewirken kann, die weit unterhalb der gültigen Grenzwerte liegt, was zeigt, dass uns die Grenzwerte keinesfalls schützen. Festzuhalten bleibt: Der Staat verletzt seine Fürsorge- und Vorsorgepflicht in diesem Bereich in erschreckender Weise.

Wie wirkt die Strahlung im menschlichen Körper?

Es gibt mehrere Stellen im menschlichen Körper, an denen die negative Wirkung von Funkstrahlung bisher beobachtet werden konnte. Der prominenteste Punkt sind die Kalzium-Kanäle in den Zellwänden, die sich unter dem Einfluss von Mobilfunkstrahlung öffnen. Dadurch kommt es zum  Einströmen von Kalzium-Ionen in den Zellkern durch die umgebende Zellmembran, was auch von der Strahlenschutzkommission anerkannt wurde (Bundesanzeiger Nr. 43, 1992). Damit ändern sich sowohl die chemische Zusammensetzung als auch das Potential innerhalb der Zelle – mit weitreichenden Folgen für viele Organe und die Nervenbahnen. Bei geeigneten Frequenzen und Pulsungen wurde dieser Effekt bereits bei 30 µW/m² beobachtet, also bei rund drei Millionstel des deutschen Grenzwerts für das E-Netz (Bawin et al., 1978). Bei längerer intensiver Bestrahlung kann das Kalzium-Niveau sogar auf lebensbedrohliche Werte absinken.

In diesem Zusammenhang  muss ferner der oxidative Stress Erwähnung finden. Er ist eine weitere Folge von Mobilfunkbestrahlung (Friedman et al., 2007; Green et al., 2005). Der Begriff oxidativer Stress beschreibt das Phänomen, dass durch die Einwirkung von Strahlung  vermehrt sog. „Freie Radikale“ entstehen. Freie Radikale sind sehr aggressive, d. h. reaktionsfreudige chemische Verbindungen, die ein ungepaartes Elektron und einem ungepaarten Elektronenspin aufweisen. Aufgrund ihrer Reaktionsfreudigkeit greifen sie an vielen Stellen des Organismus an, z .B. an der Erbsubstanz DNA.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, dass die Gestalt der Proteine durch Funkstrahlung verändert wird (Änderung der „Proteinfaltung“), was deren biologische Wirksamkeit beeinflusst (Bohr, 2000).

Da all diese Prozesse auf Zellebene ablaufen, ist es nicht verwunderlich, dass Funkstrahlen so vielfältige und oft unspezifische Wirkungen zeigen.

Bibliographie:

Bawin, S. M., Adey, W. R., & Sabbot, I. M. (1978). Ionic factors in release of 45Ca2+ from chicken cerebral tissue by electromagnetic fields. Proceedings of the National Academy of Sciences, 75(12), 6314-6318.
https://www.pnas.org/content/75/12/6314.short

Bohr, H., & Bohr, J. 2000. “Microwave-enhanced folding and denaturation of globular proteins.” Physical Review E, 61(4), 4310.
https://journals.aps.org/pre/abstract/10.1103/PhysRevE.61.4310

Bundesanzeiger Nr. 43 (1992)

Cherry, Neil, 2000. “Ein neues Paradigma – Mikrowellen: der Calcium-Ionen-Mechanismus” Vortrag Kufstein 2000, in deutscher Übersetzung überreicht durch G.E. Zesar, Mittelstrasse 31, 53925 Kall.

Diem, E., Schwarz, C., Adlkofer, F., Jahn, O., & Rüdiger, H. 2005. “Non-thermal DNA breakage by mobile-phone radiation (1800 MHz) in human fibroblasts and in transformed GFSH-R17 rat granulosa cells in vitro.” Mutation Research/Genetic Toxicology and Environmental Mutagenesis, 583(2), 178-183.
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1383571805000896

Falcioni, L., Bua, L., Tibaldi, E., Lauriola, M., De Angelis, L., Gnudi, F., … & Menghetti, I. 2018. “Report of final results regarding brain and heart tumors in Sprague-Dawley rats exposed from prenatal life until natural death to mobile phone radiofrequency field representative of a 1.8 GHz GSM base station environmental emission.” Environmental research, 165, 496-503.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0013935118300367

Friedman et al. 2007. Biochemical J 450, 559-563.

Green AC et al. 2005. J Radiat Biol. 81(12): 865 – 885.

Hardell, L., Carlberg, M., Söderqvist, F., & Mild, K. H. 2013. “Case-control study of the association between malignant brain tumours diagnosed between 2007 and 2009 and mobile and cordless phone use.” International journal of oncology, 43(6), 1833-1845.
https://www.spandidos-publications.com/ijo/43/6/1833

Houston, B. J., Nixon, B., King, B. V., De Iuliis, G. N., & Aitken, R. J. 2016. “The effects of radiofrequency electromagnetic radiation on sperm function.” Reproduction, 152(6), R263-R276.
http://www.reproduction-online.org/content/152/6/R263.long.

International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (2014). ICNIRP GUIDELINES FOR LIMITING EXPOSURE TO TIME‐VARYING ELECTRIC, MAGNETIC AND ELECTROMAGNETIC FIELDS (UP TO 300 GHZ). HEALTH PHYSICS 74 (4):494‐522; 1998.

Lerchl et al. 2015 und 2018. “Bei Mäusen wuchsen die Tumoren unter Bestrahlung wesentlich schneller.”
Biochem Biophys Res Commun 2015; 459 (4): 585 590.
https://doris.bfs.de/jspui/handle/urn:nbn:de:0221-2018011014465

Obajuluwa, A. O., Akinyemi, A. J., Afolabi, O. B., Adekoya, K., Sanya, J. O., & Ishola, A. O. 2017. “Exposure to radio-frequency electromagnetic waves alters acetylcholinesterase gene expression, exploratory and motor coordination-linked behaviour in male rats.” Toxicology reports, 4, 530-534.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S221475001730063X

Pall, M. L. 2015. “Scientific evidence contradicts findings and assumptions of Canadian Safety Panel 6: microwaves act through voltage-gated calcium channel activation to induce biological impacts at non-thermal levels, supporting a paradigm shift for microwave/lower frequency electromagnetic field action.” Reviews on environmental health, 30(2), 99-116.
https://www.degruyter.com/view/j/reveh.2015.30.issue-2/reveh-2015-0001/reveh-2015-0001.xml

Persson, B. R., Salford, L. G., & Brun, A. 1997. “Blood-brain barrier permeability in rats exposed to electromagnetic fields used in wireless communication” Wireless Networks, 3, 455-461.
https://link.springer.com/article/10.1023/A:1019150510840

Petersohn, H.-J. (1998 u.1999) Ausstrahlungen im Spiegel TV 1998 und Focus TV 1997

Schwarz, C., Kratochvil, E., Pilger, A., Kuster, N., Adlkofer, F., & Rüdiger, H. W. 2008. “Radiofrequency electromagnetic fields (UMTS, 1,950 MHz) induce genotoxic effects in vitro in human fibroblasts but not in lymphocytes.” International archives of occupational and environmental health, 81(6), 755-767.
https://link.springer.com/article/10.1007/s00420-008-0305-5